Demographischer Wandel kann auch eine Chance sein

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BAD SÄCKINGEN. "Demographie und die Auswirkungen auf die Kommunen – was können wir tun?" Dies war der Titel einer Podiumsdiskussion, zur welcher der SPD-Kreisverband Waldshut mit der Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter ins Bad Säckinger Marienhaus geladen hatte. Im Anschluss an das Impulsreferat des Dozenten Thomas Klie gesellten sich unter der Moderation des SPD-Landtagsabgeordneten Hidir Gürakar der Bad Säckinger Bürgermeister Alexander Guhl sowie der Leiter des Marienhauses, Hartmut Fricke, zu einem Gedankenaustausch, der von einer großen Übereinstimmung darüber geprägt war, wie der Herausforderung des demographischen Wandels auf kommunaler Ebene zu begegnen sei.

 

Badische Zeitung Hrvoje Miloslavic



Auf großes Interesse und Zustimmung stießen bei Publikum und Diskutanten die Ausführungen des Gerontologen, Theologen und Rechtswissenschaftlers Klie. In zehn Thesen präsentierte er die aus seiner Sicht wesentlichen Einsichten und Strategien, die kommunalpolitisch Verantwortliche und Bevölkerung verinnerlichen müssten. Keinen Zweifel ließ Klie daran, dass durch den demographischen Wandel "die Grundlagen unseres Miteinanders auf eine harte Probe gestellt werden". Die Veränderung sei mit einem "grundlegenden sozialen und kulturellen Wandel" verbunden, der auch in den Prozess eines weitreichenden Klimawandels eingebetet sei. Der demographische Wandel kenne sehr viele unterschiedliche Gesichter und solle nicht nur als Schicksal, sondern vielmehr als Chance für eine Neugestaltung der "Daseinsvorsorge und des sozialen Miteinanders" verstanden werden, sagte Klie. Als Lösung schlug er unter anderem eine Stärkung der Kommunen vor, die auch mit der "Wiederentdeckung des Genossenschaftsgedankens" einhergehen müsse. Neue strategische Partnerschaften zwischen Kommunen und Wirtschaft sowie Innovationen der technischen und sozialen Infrastruktur seien mit der Entwicklung einer "Willkommenskultur" in Bezug auf Menschen mit Migrationsgeschichte zu verknüpfen, forderte Klie.

Dankbar zeigte sich Marienhausleiter Fricke auch für die eine oder andere vernichtende Kritik, die der Referent etwa an der im Gesundheitssystem angelegten "Ökonomisierung menschlicher Zuwendung" übte. Fricke warnte vor einer einseitigen Perspektive, die den demografischen Wandel als "Belastung der Gesellschaft" sehe. Vielmehr sei auch das große Potential zu berücksichtigen, das sich aus der intergenerativen Begegnung und Zusammenarbeit ergebe. Fricke forderte die Schaffung eines familienfreundlichen Klimas in den Kommunen, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermögliche, Fachkräftesicherung durch Ausbildung sowie lokale Betreuungsstrukturen in Sinne einer "Zugeh-Struktur" für alte Menschen. Alexander Guhl zeigte sich von den Forderung Klies nach einer Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung beeindruckt. "Die Verwaltungen könnten mit den Trägern vor Ort am besten entscheiden, was nötig sei, gab Guhl zu bedenken. "Wir ersticken im Standard-Wahn", kritisierte der Bürgermeister, der sich ebenfalls für das Genossenschaftsprinzip – auch im sozialen Bereich – stark machte.

 
 

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