SPD-Ortsvereine Bad Säckingen und Wehr wandern durch das Haselbachtal und ringen weiter um einen Konsens zum Thema Pumpspeicherkraftwerk Atdorf.
Presseecho
WEHR/BAD SÄCKINGEN. Die Sozialdemokraten aus Bad Säckingen und Wehr sehen das Pumpspeicherwerk Atdorf mit dem damit verbundenen Haselbecken zunehmend kritisch. Dies wurde bei einer Begehung des Haselbachtales der Genossen beider Ortsvereine am Donnerstag deutlich, an der auch die SPD-Kreisvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter teilnahm. Offene Ablehnung wie bei Ulrich Schoo blieb zwar die Ausnahme, viele SPD-Mandatsträger wollen das Projekt jedoch an Bedingungen geknüpft sehen.
Mehr als 30 Interessierte nahmen an der Exkursion teil, deren Führung wiederum Bad Säckingens Stadtförster Gabriel Hieke übernommen hatte, der bereits am Montag mit einer Gruppe um die Kreisräte Klaus Denzinger und Franz Michler unterwegs gewesen war. Wie am Montag spielten denn auch die Dimension des geplanten Beckens, die Behinderungen während der mehr als sechs Jahre andauernden Bauzeit, die ökologischen Folgen sowie der Wegfall eines erheblichen Teils der Naherholungsgebiete für Bad Säckingen und Öflingen eine zentrale Rolle bei der Wanderung.
Rita Schwarzelühr-Sutter, die sich im Kreistag – wie fast das gesamte Gremium – 2008 bereits grundsätzlich für das Pumpspeicherwerk ausgesprochen hatte, brachte jedoch auch politische Überlegungen ins Spiel. Für die einstige Bundestagsabgeordnete hat sich die politische Ausgangslage in den vergangenen Monaten grundlegend geändert: "Die Förderung der erneuerbaren Energien wird zurück gefahren, gleichzeitig wird eine Verlängerung der Reaktorlaufzeiten geplant”, so die SPD-Kreisvorsitzende, da werde es unglaubwürdig, das Pumpspeicherwerk als Speicher für die Versorgungsschwankungen der erneuerbaren Energien zu nutzen. Es dränge sich der Gedanken auf, das Projekt mit Blick auf die Atomenergie zu verfolgen, zumal es bis heute wegen fehlender Leitungen keine Möglichkeit gebe, Atdorf zum Netzausgleich von Strom aus den Offshore-Windparks zu nutzen.
Auch Bad Säckingens SPD-Chef Hidir Gürakar stellte das Vorhaben in Frage – selbst wenn es eine energiepolitische Notwendigkeitgebe. "Muss es denn dieser Standort sein?”, so die Frage Gürakars mit Blick darauf, dass in der Region bereits 25 Prozent des deutschen Pumpspeicherstroms poduziert wird – nach einer Inbetriebnahme von Atdorf wären es dann 40 Prozent: "Kann die Region diese Entwicklung tragen?”
Zudem: Die technische Entwicklung müsse beobachtet werden, es gebe Forschungen, die vielleicht bald eine effektivere Möglichkeiten der Energiespeicherung zuließen. Auch Ulrich Schoo verwies auf die vorhandene Belastung der Region und insbesondere den Wegfall der Naherholungsfläche. Es sei kein St.-Florians-Prinzip, wenn man sich gegen das Pumpspeicherwerk wehre."Die Belastungen für Bad Säckingen sind so immens, dass es keinen Grund gibt, ja zu sagen”, so Schoos Fazit. Noch unentschlossen zeigte sich dagegen Karin Kaiser, Wehrs SPD-Vorsitzende. Wie Gürakar verwies sie darauf, dass es sich bei der Exkursion um eine ergebnissoffene Veranstaltung handele und dass es nun wichtig sei, die Diskussion weiter zu führen.
Die Sensibilität sei gestiegen, so das Urteil Gürakars. Zumindest bei einem Teil der Teilnehmer wuchsen wohl die Bedenken – zumindest Klaus Stöcklin, Vorsitzender der Bürgerinitiative Atdorf, stieß oft auf offene Ohren als er dafür warb, im Raumordnungsverfahren Bedenken vorzubringen.
