100 Jahre im Geiste gegen den Krieg

Reden/Artikel

Am vergangenen Samstag (24.11.2012) jährte sich in Basel der Internationale Kongress der Sozialdemokraten und Sozialisten zum einhundertsten Mal.
Ein Bericht von Manuel Knapp.

Wie sehr die Universität und die Stadt Basel mit der sozialistischen Friedensbewegung verbunden waren und sind, wird deutlich wenn man sich das breite Rahmenprogramm der Universität vor Augen führt, das den Jahrestag des Sozialistenkongresses schmückte.
Unter dem Motto „Krieg und Frieden 1912-2012“ veranstalteten die Departemente Geschichte und Soziologie der Universität Basel einen dreitägigen Kongress, der sich zum Ziel setzte die Aspekte der Vorkriegsgeschichte, die Wirkung des Kongresses und die Rolle der Sozialisten zusammenzubringen.
Vor 100 Jahren versammelten sich über 500 Delegierte aus 23 Ländern in Basel zum „Ausserordentlichen Internationalen Sozialistenkongress“. Die Veranstaltung fand in einer Zeit der andauernden Unruhe auf dem Balkan statt, Kriegsgelüste kochten in den nationalen Regierungen und Parlamenten. Diesem Treiben Einhalt zu gebieten und durch eine internationale Verständigung innerhalb der Linken eine einheitliche Sprechregelung und Verhaltensweisen zu verabschieden, sollte den Inhalt des Kongresses darstellen. Wir Nachgeborenen wissen, dass in den nationalen Parlamenten auch die sozialistischen und sozialdemokratischen Gruppen schlussendlich für den Krieg votierten. Eine einfache Pauschalisierung darf hier jedoch nicht voreilig getroffen werden. Dieser Entscheid muss in dem bereits langeandauernden Konflikt zwischen Staat und Sozialistischer Bewegung verstanden werden. Das war im Jahre 1914. Im November 1912, als es darum ging Flagge gegen Disharmonie, Verarmung und Krieg zu zeigen waren sich die Genossinnen und Genossen einig. Die Botschaft des Friedens motivierte im Jahre 1912 über 10.000 Menschen zu einer grossen Demonstration aus dem Elsass, der Schweiz und Baden.
Ehrhard Eppler oblag es die Festansprache zu halten. In seinem bewegten, politischen Leben konnte Eppler äusserst leicht den Bogen über die historischen Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts spannen. Ausgehend von der humanen Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, über den Kalten Krieg bis hin zur entspannenden Ostpolitik Willy Brandts, die schliesslich ein Fundament für den Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs war. Eppler mahnte den Frieden nicht als Selbstverständlichkeit zu nehmen. Gerade die gegenwärtigen Spannungen innerhalb Europas erfordere stets aufs Neue eine konstruktiv-kritische Begleitung jener Generationen, die Krieg, Armut und Hass unter den Völkern nicht aktiv miterlebt hätten.
Alle Redner des Festaktes waren sich einig, dass die Europäische Union der Staaten und das friedliche Zusammenleben der Menschen die Lösung der Probleme sei. Dass die EU Strahl- und Anziehungskraft besitzt, beweist der Besuch der tunesischen Menschenrechtsanwältin Bochra Bel Haj Hmida. Sie berichtete über den Arabischen Frühling in ihrem Land und dem Wunsch nach Stabilität, Menschenwürde und Frieden.
Beim anschliessenden Apero konnten sich die Gäste untereinander über die Erfahrungen aus der Tagung und den Beiträgen der Festredner austauschen.
Was bleibt ist die Antwort auf die Frage nach der Aktualität der Friedensvision der Sozialdemokratie? Welche Rolle werden die europäischen Sozialdemokraten in einer turbulenten ökonomischen und sozialen Zeit einnehmen? Wie werden sie den Spagat schaffen zwischen innenpolitischem Wahlkampf um Stimmen, bei dem der Schritt leicht zu sein scheint Europa als Sündenbock zu verwenden (u.a. Labour in England), und der Entwicklung eines Gegenkonzeptes zur strengen Austeritätspolitik (einhergehend mit öffentlich anerkanntem Bashing ganzer Nationen) und zur Verfestigung der europäischen Gemeinschaft der Völker?

Link: http://www.sp-bs.ch/?q=content/100-jahre-friedenskongress-der-sozialistischen-internationale-0

 
 

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